Joo Kraus

JooJazz

Olive: I have something new for you to try.
Popeye: That sounds great, I will get ready for it and you can give me your joojazz to try out.

Was, bitteschön, sollen wir uns unter „joojazz“ vorstellen? Geht‘s nach Urbandictionary.com, dann steht das Wort, das ursprünglich in einem Dialog von Muskelprotz Popeye und seiner Geliebten Olive in der US-Zeichentrickserie „Popeye the Sailor Man“ vorkam, für etwas Neues, Unbekanntes und Undefinierbares. Diese Begriffsbestimmung lässt sich mühelos auf das gleichnamige Album von Joo Kraus übertragen, ist es doch voll von neuen Sounds und bisher nicht gehörten Stilverbindungen, die nur schwer zu kategorisieren sind. Schubladeneinräumer und Kästchenankreuzer haben sich an dem deutschen Trompeter, Sänger und Komponisten ja schon immer die Zähne ausgebissen, diesmal werden sie aber auch noch den letzten Zahn verlieren, denn Kraus lässt sich weiterhin nicht auf eine Stilrichtung festnageln. Zugegeben, Jazz war und ist der Fixstern in seinem Musikuniversum, in dessen Gravitationsfeld ziehen jedoch die Planeten Soul, Funk, Pop und Latin ihre Bahnen, umkreist von den Monden HipHop und TripHop, regelmäßig besucht von Meteoritenschauern voller Elektronik-Einsprengsel.

Aber verlassen wir das kosmische Sprachbild und wenden wir uns konkret einzelnen Stücken auf „JooJazz“ zu. Im angerockten „Almost Porn“, dem gesungenen Popjazz-Ohrwurm „If You Wanna Get Down“, der südländisch-heißen Latin-Nummer „The Working Week“, dem heftig swingenden „1815“ und der traumversunkenen Ballade „In My Dream“ überschreitet Kraus erneut sämtliche Stilgrenzen. Der gebürtige Ulmer ist weißgott nicht puristisch, ohne Scheuklappen nimmt er all das wahr, was um ihn herum musikalisch passiert und lässt sich von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren. Das Resultat ist ein stiloffener Jazz mit ganz eigener Färbung. Was liegt da näher, als ein eigenes Etikett dafür zu prägen: „JooJazz“ eben.

Das jüngste Album enthält ausschließlich Eigenkompositionen, die auf Blitzeinfälle von Joo Kraus zurückgehen. Sobald dem Musikabenteurer etwas Interessantes in den Kopf kommt, das das Potenzial zum weiterspinnen und ausarbeiten hat, steckt er es für später in seine „Ideenbox“ (O-Ton Joo). Eine Auswahl dieser Sound-Skizzen, eingängigen Melodiemotive und packenden Grooves hat er mit seiner Band zunächst in Basictracks festgehalten. Auf der Grundlage dieser Rohfassungen wurde dann viel ausprobiert, es herrschte das Versuchsklima eines Experimentallabors. „Wir haben soundmäßig wirklich alles ausgelotet“, erinnert sich der Bandleader an die Tage im Aufnahmeraum. „Wie klingt diese, wie klingt jene Ecke im Studio? Schrei ich ins Mikro, hauch ich?“ Bei der Produktion legte man großen Wert darauf, das authentische Gefühl und den Charakter der Urinspiration zu bewahren. Mit Keyboarder Ralf Schmid, Bassist Veit Hübner und Drummer Torsten Krill hatte Joo Kraus dafür genau die richtigen Leute um sich versammelt. Mit ihnen versteht er sich nach zwölf gemeinsamen Jahren quasi blind. Die vier bestritten in dieser Zeit jede Menge Konzerte und haben jetzt ihr drittes Album in Quartettbesetzung eingespielt. Sie bilden nicht nur auf sondern auch hinter der Bühne ein eingeschworenes Team. Aus den Berufskollegen sind längst dicke Freunde geworden, und diese Vertrautheit ist auf „JooJazz“ in jeder Note zu spüren. Ebenso der Spaß, den die Musiker bei der Studioarbeit hatten. Man höre nur mal das heiter hüpfende „Hitback!“, das teils gepfiffene (!) Funstück „This Is How We Do It“ oder auch den freudvollen Ausklang im titelgebenden „JooJazz“!